Gewinner Kategorie Kleiner Mittelstand 2008: W.u.H. Küchle GmbH & Co. KG
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Gewinner Kategorie "Kleiner Mittelstand"

Gewinner Kategorie Kleiner Mittelstand: W.u.H. Küchle GmbH & Co. KG

W.u.H. Küchle GmbH & Co. KG

Bahnhofstr. 12
89312 Günzburg


  • Geschäftsführung: Christof Küchle

  • Branche: Lebensmittelherstellung und -vertrieb

  • Gründung: 1864

  • Umsatz: 9,4 Mio. €

  • Mitarbeiter: 80

Laudatio:

Die W. u. H. Küchle GmbH & Co. KG in Günzburg wurde 1864 gegründet. Jakob Küchle legte mit der Herstellung der ersten Backoblaten den Grundstein für das traditionsreiche Unternehmen, das sich – inzwischen in der vierten Generation inhabergeführt – zur führenden Marke für Oblatenprodukte entwickelt hat. Küchle steht seit jeher für eigenständige Produktideen mit Alleinstellung. Aufgrund jahrzehntelanger Erfahrung hat Küchle sich als Experte rund um das Backen positioniert, füllt aber auch im Süßwarenmarkt eine überaus erfolgreiche Nische aus. – Mit 80 Mitarbeitern wird derzeit ein Umsatz von 9,4 Mio. € erzielt. Per 31.08.2007 (abweichendes Geschäftsjahr) betrug die Bilanzsumme rd. 8,0 Mio €, die Eigenkapitalrendite lag bei 12,7 % (Eigenkapitalquote: 40 %).

Im Geschäftsjahr 2006/07 wurde eine Fülle von Marketingaktivitäten in Angriff genommen. Neben einem kompletten Markenrelaunch waren auch zahlreiche neue Produkte zu konzipieren und auf den Markt zu bringen. Im Sommerbackbereich waren dies Blitzguss, Saftstopp und Backhefe. Für die Weihnachtsbacksaison wurde das Backmischungssortiment erweitert. Zu den beiden bestehenden Produkten Müsli- und Kokosmakronen gesellen sich 2007 die Neuheiten Mini-Lebkuchen und Nussplätzchen. Im Esspapierbereich kamen die Neuheiten Zungentattoos, Esspapier mit Dino-Eiern und Esspapier-Chips hinzu. Im Jahre 2007 wurde auch zum ersten Mal eine Bio-Oblate an den Markt gebracht.

v.l.n.r.: Gert Schloßmacher, Christof Küchle

v.l.n.r.: Gert Schloßmacher, Christof Küchle

1. Ziele und Zielgruppen der Finanzkommunikation

Die Finanzkommunikation des Unternehmens ist integrierter Bestandteil des Managementsystems. Seit dem Generationswechsel vor 10 Jahren wird großer Wert auf Transparenz gegenüber den Kapitalgebern gelegt – gerade auch in schwierigen Zeiten. Dies stärkt das gegenseitige Vertrauen („Ziel: krisenfestes Vertrauen“). In der Bewerbung heißt es: „Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Gerade auch in schwierigen Zeiten hat es sich bewährt, offen und ehrlich, sowie frühzeitig über alle Entwicklungen zu informieren und mit nichts hinter dem Busch zu halten, was früher oder später sowieso ans Tageslicht kommen würde. Dies bringt uns regelmäßiges Lob gerade von den Banken ein und stärkt das gegenseitige Vertrauen, ein unschätzbares Gut für einen kleineren Mittelständler, wobei das Ganze kein großer Aufwand ist. Durch die Integration eines standardmäßigen Berichtswesens in unser Managementsystem lässt sich unsere Finanzkommunikation mit vernünftigem Aufwand bewerkstelligen, zwingt letztlich zur kritischen Selbstkontrolle, und ist auch für den Fall gewährleistet, dass der Geschäftsführer ausfallen sollte.“

Die Adressaten der Finanzkommunikation sind eindeutig bestimmt; es sind:
• die Gesellschafter
• die Banken
• der Firmenbeirat
• der Führungskreis des Unternehmens.

Die Informationsbedürfnisse der Adressaten werden regelmäßig durch intensiven Dialog erhoben. Bei den externen Kapitalgebern geschieht dies insbesondere im Prozess der Ratingerstellung, der jährlich abläuft.

2. Inhalte der Finanzkommunikation

Besonders beeindruckt war die Jury vom ausführlichen, im Managementhandbuch definierten Prozess der Finanzkommunikation, bei dem die zentralen Inhalte des Austauschs mit den Kapitalgebern den Formaten Jahresabschluss, Zwischenberichte, Geschäftsbericht sowie fallweise ergänzenden Informationen zugeordnet werden.

Ca. 8 Wochen nach Ende des Geschäftsjahres liegt der testierte Jahresabschluss vor. Spätestens 3 Wochen nach Ablauf des Berichtszeitraumes werden bereits die Zwischenberichte erstellt. Insofern ist es glaubhaft, wenn Küchle die Aktualität der Berichterstattung in den Vordergrund rückt.

Gerade der Zwischenbericht geht – in zwar knapper, aber sehr gut aufbereiteter Form – auf die zentralen betriebswirtschaftlichen Fragen der Unternehmensentwicklung ein.

3. Timing der Finanzkommunikation

Küchle weist – und das ist für ein mittelständisches Unternehmen dieser Größenordnung beileibe keine Selbstverständlichkeit – einen Finanzkommunikations-Kalender aus, in dem die regelmäßigen Informationen für die Kapitalgeber mit festen Terminen verankert sind. Darüber hinaus finden Gespräche mit den externen Kreditgebern fallweise im Anschluss an die schriftliche Berichterstattung statt. Je nach Format ergeben sich damit zahlreiche Kontaktpunkte mit den Financiers über das Jahr verteilt.

4. Botschafter der Finanzkommunikation

Die Finanzkommunikation ist bei Küchle „Chefsache“ und somit auch als Aufgabe der Geschäftsführung ausdrücklich formuliert. Die Integration dieser Führungsaufgabe in das nach DIN ISO 9001 zertifizierte Managementsystem, welches bei Küchle die Grundlage für sämtliche Prozesse ist, hält Küchle für eine zwingende Notwendigkeit. Durch diese Integration wird der gesamte Ablauf der Finanzkommunikation standardisiert, kann der Prozess sehr effizient und effektiv durchgeführt werden und ist gewährleistet, dass er lückenlos eingehalten wird.

5. Art und Weise der Finanzkommunikation

Genutzt werden sämtliche Kommunikationsformen; in der Bewerbung wird besonders das schriftliche Informationskonzept des Unternehmens beschrieben, das sehr ausgefeilt ist. Dieses wird indes regelmäßig in Gesprächen mit den externen Kapitalgebern sowie in der Gesellschafterversammlung und Beiratssitzung mündlich vertieft. Die eingereichten Unterlagen sind optisch gut aufbereitet, man merkt die Professionalität im Umgang mit Konsumgütern.

6. Ressourcen der Finanzkommunikation

Da das Kommunikationskonzept – zumindest in seiner schriftlichen Form – sehr stark standardisiert ist, hält sich der Aufwand in Grenzen. Die Erstellung des Geschäftsberichts nimmt etwa 3 Tage in Anspruch, die der Zwischenberichte jeweils einen halben Tag, und die Vorbereitung der Gespräche, Sitzungen und Versammlungen nochmals jeweils 0,5-3 Tage. Der gesamte jährliche Zeitaufwand liegt demnach bei etwa 10 Arbeitstagen, ohne dass hierfür ein eigenes Budget eingeplant würde.

7. Wirkungen der Finanzkommunikation

Nach eigenen Aussagen erhält Küchle nicht nur lobende Worte von Kreditinstituten über seine „vorbildliche Informationspolitik“, auch konnte das Rating verbessert und damit die Zinslast reduziert werden. Andere Kreditinstitute als die bisherigen Hausbanken werben intensiv um diesen Firmenkunden. Entsprechend positiv fiel auch das bei den Banken eingeholte Feedback aus (HypoVereinsbank Krumbach, Frau Margit Ulm, Sparkasse Günzburg-Krumbach, Herr Hans-Peter Nußbaumer). Beide Firmenkundenbetreuer vergeben eine Eins auf der Schulnotenskala, betonen die Aktualität des Berichtswesens und heben hervor, dass Küchle unaufgefordert sehr ausführliche Informationen an die Kreditinstitute liefere. Darunter seien auch gerade qualitative Informationen, Softfacts, die nur teilweise in einem standardisierten Rating erfassbar seien. Die HypoVereinsbank fasst zusammen: „In dieser Umsatzklasse betreibt Küchle die beste Finanzkommunikation!“

Wohl deshalb hatten Verwerfungen auf den Finanzmärkten bisher auch keinen negativen Einfluss auf die Finanzierungsbeziehungen. In der derzeitigen Finanzmarktkrise sieht Küchle für sich eher Vor- als Nachteile: „Aktuelles Beispiel ist der Börsencrash vom 21.01.2008 und die kurzfristig folgende Senkung der Leitzinsen in den USA. Bereits am 23.01.2008 saßen wir mit unserem Firmenkundenberater zusammen, um eine zinsgünstigere Alternative zur bestehenden Betriebsmittelfinanzierung zu erörtern.“

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