Gewinner Kategorie "Mittlerer Mittelstand"
Bernd Münstermann GmbH & Co. KG
Lengericher Str. 22
48291 Telgte-Westbevern
- Geschäftsführung: Bernd Münstermann
- Branche: Sondermaschinen- und Anlagenbau
- Gründung: 1845
- Umsatz: 40 Mio. €
- Mitarbeiter: 210
Laudatio:
Im Jahre 1845 gründete Johann Bernhard Münstermann eine landwirtschaftlich orientierte Schmiede. Seit der Übernahme durch Bernd Münstermann im Jahre 1978 hat sich das seit fünf Generationen in Familienbesitz befindliche Unternehmen zu einem führenden Hersteller im Bereich des Sonderanlagenbaus gewandelt. Speziell im letzten Jahrzehnt (mit dem rasanten Einsetzen der Globalisierung) hat sich Münstermann zu einem leistungsfähigen und global agierenden Industriebetrieb entwickelt. Die Kernkompetenzen von Münstermann liegen in der Konstruktion und Fertigung von Sonderanlagen für einen weiten Bereich an Anwendungen und Industriesegmenten. Problemschwerpunkte sind von Anfang an Trocknungsanlagen, wie z.B. Band-, Durchlauf- und Kammertrockner. Durch die Übernahme der Produktbereiche Fördertechnik und Entstaubungsanlagen ist es in den letzten Jahren gelungen, Münstermann als Komplettanbieter von Trocknungs- und Wärmebehandlungsanlagen einschließlich der dazugehörigen Förder- und Filtertechnik am Markt zu positionieren. Der Slogan von Münstermann „Wir entwickeln Lösungen“ gibt Auskunft über die strategische Ausrichtung: Münstermann will als „innovativer Anlagenbauer aus Deutschland“ individuelle Problemlösungen ganzheitlich anbieten und realisieren. – Das seit 1988 in Telgte-Westbevern ansässige Unternehmen ist heute nicht nur in Deutschland einer der führenden Hersteller auf dem Gebiet der industriellen Trocknungsanlagen (einschließlich der zugehörigen Fördertechnik und Entstaubungslösung), sondern hat sich mittlerweile auch international positioniert (z.B. in China).
Die Umsatzerlöse sind von 10 Mio. € (2000) auf 40 Mio. € (2007) angestiegen, die Mitarbeiterzahlen nahmen im gleichen Zeitraum von 119 auf 202 zu. Auch auf der Ertragsseite hat sich Münstermann sehr positiv entwickelt. Betrug das EBITDA im Jahr 2000 noch 875.000, so liegt es mittlerweile (unterbrochen von einer Schwächephase 2003) bei 3.800.000. Auch diese Entwicklung gab Münstermann die Möglichkeit, die Eigenkapitalquote im gleichen Zeitraum von 6,6 % auf nahezu 40 % zu erhöhen.
v.l.n.r.:Bernd Münstermann, Magdalena Münstermann, Dirk Gschiel, Christian Sievers
1. Ziele und Zielgruppen der Finanzkommunikation
Münstermann hat seine Ziele in der Finanzkommunikation klar definiert. Man will ein unabhängiges Familienunternehmen mit alleiniger Entscheidungsgewalt über alle strategischen und operativen Fragen bleiben. Dies heißt jedoch nicht, dass man auf Fremdkapital, Beteiligungen oder Finanzierungsrahmen verzichten könnte. Allen Geschäftspartnern (Kunden, Lieferanten und Eigenkapital-, Kredit- und Versicherungsgebern) will man als kompetenter, potenter und verlässlicher Partner zur Verfügung stehen. In Analogie zur Kundenbindung will man auch die Finanzpartner durch Verlässlichkeit binden. Daher genießen frühzeitige und umfassende Finanzinformationen höchste Priorität.
Ebenso eindeutig sind die Adressaten der Finanzkommunikation definiert. Zu ihnen zählen:
- WGZ-Bank
- Volksbank Münster eG
- Vereinigte Volksbank eG
- Sparkasse Münsterland-Ost
- Deutsche Bank
- VR Mittelstandskapital als Mezzanine-Kapital-Geber
- Auskunfteien und Kreditversicherer
- Lieferanten
- Kunden
- Mitarbeiter
2. Inhalte und Timing der Finanzkommunikation
Münstermann hat verschiedene Formate für die Information der Kapitalgeber definiert:
- Schnelle, umfangreiche Informationen über die gegenwärtige Lage des Unternehmens
- Monats-, Quartals- und Jahresergebnisse
- Umfassende Informationen über die voraussichtliche Entwicklung im Hinblick auf Auftragseingänge, Ertrag, Eigenkapitalentwicklung und Finanzierungsbedarf (Forecasts: GuV, Bilanz- und Liquiditätsentwicklung)
- Frühzeitige Information und Einbindung in Wachstums- und Marktstrategien sowie Abweichungen und die daraus abgeleiteten finanziellen Entwicklungen (Mehrjahresvorausschau für GuV, Bilanz, Liquidität und Eigenkapitalentwicklung sowie Investitionspläne)
- Vorherige Diskussion und Meinungsaustausch bei wichtigen Unternehmensentscheidungen (z.B. Nachfolgeregelung, Versicherungswechsel, Expansionspläne)
Unternehmensplanung (einmal jährlich für drei Jahre im voraus) bestehend aus:
- Betriebswirtschaftliche Auswertung und GuV
- Bilanz und Bilanzentwicklung
- Planungsprämissen, Planungsparameter usw.
- Kapitalflussrechung / Liquiditätsplanung
- Investitionsplan / Informationen über Großprojekte
- Aktueller Finanzrahmen und dessen Ausnutzung
- Zinsberechnungen
- Kennzahlen wie gepl. Auftragseingang, Auftragsbestand, Mitarbeiter usw.
Monats- und Quartalsberichte:
- Betriebswirtschaftliche Auswertung und GuV
- Bilanz und Bewegungsbilanzen sowie Forecast-Bilanz
- Kapitalflussrechung / Liquiditätsplanung
- Ertrags- und Bilanzkennzahlen
- Kommentierung der einzelnen Positionen, wie Auftragslage, Geschäftsentwicklung usw.
3. Botschafter der Finanzkommunikation
Alle wesentlichen Daten (das Zahlenwerk) werden durch den kaufmännischen Leiter aufbereitet, überprüft und kommentiert. Alle wesentlichen strategischen Informationen und Entwicklungen werden zusätzlich auch vom Geschäftsführer/Gesellschafter persönlich, schriftlich oder telefonisch aufbereitet und übermittelt.
4. Art und Weise der Finanzkommunikation
„Münstermann unterscheidet nicht nach internen und externen Informationsdarstellungen.“ Die Kapitalgeber – und auch die Mitarbeiter – werden unverzüglich mit den Informationen versorgt, die auch der Geschäftsleitung zur Verfügung stehen.
Es werden sämtliche Kommunikationswege genutzt. Neben den schon erwähnten Standard-Formaten zählen hierzu etwa:
- Jahresabschlussgespräch und Ausblick zur Unternehmensentwicklung mit allen Hausbanken und dem Mezzanine-Kapitalgeber nach Zusendung der Jahresabschlussunterlagen in Form eines mehrstündigen persönlichen Gesprächs
- Diverse Vorträge und Informationsveranstaltungen mit anderen Unternehmern
- Unverzügliche Information (Telefon, Email, persönlich) bei wichtigen Unternehmensentscheidungen
- Firmenzeitschrift (zweimal jährlich) – Informationen rund um Münstermann
- Einladungen der Finanzpartner zu Messen und Ausstellungen
5. Ressourcen der Finanzkommunikation
Die Unternehmensplanung benötigt ca. 20 Mann-Tage (MT), davon ca. 2-3 MT für die Aufbereitung (Prämissen und Berichte). Für die Erstellung von tabellarischen und grafischen Mehrjahresvergleichen wird ca. 1 MT benötigt. Die Monatsreports erfordern ca. 0,5 MT/Monat. Die Datenaufbereitung mit Hilfe des EDV-Systems und Excel sind so optimiert, dass die Erstellung bis auf evt. Kommentierungen keinen Mehraufwand darstellen, da die wichtigsten internen und externen Berichte (wie erwähnt) deckungsgleich sind.
6. Wirkungen der Finanzkommunikation
- Ausweitung der Finanzlinien (seit 2006 auch zwei neue Finanzpartner) von 10,6 Mio. € (2005) auf 15,9 Mio. €
- Senkung der Avalzinsen im gleichen Zeitraum von 2% auf 1%
- Einwerben mezzaninen Kapitals in Form einer stillen Beteiligung und von Mitarbeiter-Genussrechten im Umfang von mittlerweile 1,4 Mio. €
- Verbesserung des Ratings zwischen 2005 und 2007 um mehrere Stufen
Diese Aussagen werden auch durch die Entwicklung des Unternehmens in den Jahren 2000-2003 belegt. Damals konnte Münstermann einen Anstieg der Betriebsleistung von 80% verzeichnen. Im Jahre 2003, nach Übernahme von 20 Mitarbeitern und Bezug des gerade fertig gestellten Bürogebäudes sowie weiteren Investitionen in Fertigungshallen kam ein Einbruch des Umsatzes von 20%. Gestiegene Fixkosten (Pacht, Abschreibung, Lohnkosten) und in ca. 3 Monaten der fast vollständige Wegfall von für die Unternehmensfinanzierung wichtigen Anzahlungen führten neben dem ersten Jahresdefizit nach 30 Jahren auch zu Liquiditätsproblemen. Ein Zahlungsverzug und die Verschlechterung des Ratings waren die Folge. Lieferanten wollten zum Teil nur gegen Vorkasse liefern. In dieser Phase kam Münstermann der „gute Draht“ zu den direkten Finanzpartnern zugute. Die offene, ehrliche Art mit der zuvor alle Unternehmensstrategien, Daten, Fakten und Zahlen kommuniziert worden waren, sorgten dafür, dass die Finanzdienstleister genügend Vertrauen in die Geschäftsentwicklung und das Entwicklungspotenzial hatten und die Restrukturierung mittrugen. In der Folge wurden die Kreditlinien trotz der Krisensituation sogar noch erweitert. In 2004 trat dann eine wesentliche Verbesserung der Lage ein. Seit 2005 verzeichnet das Unternehmen im dritten Jahr in Folge Rekordüberschüsse. In dieser Zeit wurde auch vermehrt Wert auf eine gesunde Bilanzstruktur gelegt: das Eigenkapital stieg durch Thesaurierung, Mitarbeitergenussrechte und Mezzanine-Kapital.
Offenbar hat Münstermann daher seine Finanzkommunikation bereits krisenfest gemacht – die letzte Erhöhung der Avallinien von 2 Mio. € wurde bankintern innerhalb von 24 Stunden entschieden. Es kann daher auch nicht verwundern, dass die aktuelle Finanzmarktkrise bisher keine Auswirkungen auf das Unternehmen gezeigt hat. Die Kreditinstitute haben Münstermann über die Finanzmarktentwicklungen informiert und Themen wie die weitere Eigenkapitalstärkung mit der Geschäftsleitung diskutiert.

